reflections

Seelenspiegel

Ich beobachte, wie die Sonne langsam am Horizont verschwindet und den Himmel in ein leichtes, aber sattes purpur taucht.


Ich dreh mich um und sehe sie.


Sie war schon immer klein und zierlich. Sie ist wirklich eine hübsche junge Frau.


Eigentlich sieht man sie immer lächeln. Es ist kein falsches Lächeln, es ist ein süßes, fröhliches und freundliches Lächeln.

Eigentlich lacht sie viel und oft und eigentlich leuchten und glitzern ihre reh- braunen Augen immer.


Doch diesmal war alles anders.

Ich sehe sie, wie sie dort steht mit leicht gesenktem Kopf. Ihr Pony verdeckt die Hälfte ihrer Stirn. Wo vorher ein Leuchten und Glitzern war, ist nur noch ein starrer und kalter Blick, wie Eis, übrig geblieben, der vom schwarzen Kajal noch verstärkt wird.

Wo vorher ihr süßes, fröhliches und freundliches Lächeln war, ist nur noch ihr lieblicher, süßer Mund übrig geblieben, deren Winkel leicht nach unten gezogen sind.

An ihrer rechten Wange, die so weich ist wie ein Pfirsich, läuft eine Träne herunter, die eine leichte schwarze Spur hinterlässt.

Ihre Arme, dünn und voller Striche. Rote, blutige Wunden. Entstanden aus Enttäuschung, Wut, Hass und Schmerz. Hinzugefügt mit einer Rasierklinge. Normalerweise durch Armstulpen oder langen Pullover versteckt.

Im Raum ist es kalt. Man sieht ihr an, dass ihr kalt ist, auch wenn sie nicht zittert.

Wie sie dort steht, verlassen, ganz alleine im Raum. Überall auf dem Boden liegen sie. die Gedichte, Songtexte und andere niedergeschriebene Gedanken.


Ich hasse sie. Ich hasse es, wenn sie sagt sie wäre fett. Ich hasse es, wenn sie sagt sie wäre hässlich. Ich hasse es, wenn sie sich ritzt. Ich hasse es, wenn sie sagt sie wäre ganz alleine und niemand würde es interessieren wie es geht. Ich hasse es, wenn sie sich immer mehr in ihre Gedanken reinsteigert. Ich hasse es, dass sie denkt, ihr Leben wäre doch eh schon verschissen und es mache eh keinen Sinn mehr zu leben. Ich hasse es, wenn sie melancholische Musik hört, die sie noch depressiver macht, als sie es eh schon ist.

Ich hasse dieses Spiegelbild!

Am liebsten würde ich mit meiner Faust hineinschlagen, sodass er zerbricht. Aber irgendwie macht das auch keinen Sinn.




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